14. Oktober 2013

Sonntags mit Renja


















Herbstspaziergang im Romanowska-Moor, "Gravity" in der Manufaktura im IMAX 3D, thailändisch Essen, und zum Abschluss das "Light Move Festival Lodz 2013" (gute Videos stehen schon auf Youtube!)

13. Oktober 2013

Warschau mit Renja

Ganz pünktlich kam sie aus der Spiegeltür in Okęcie, schaute sich nicht um und lief daher erst mal von mir weg. Wir trafen uns aber bald, denn die Empfangszone ist ja nun nicht sooo gross, dass man sich verlaufen könnte ...

Als erstes ging es in die Stadt, dabei wurde schon mal der Ausflug auf die Platform des Kulturpalastes wegen akuten Dunstes gestrichen. Dafür fand das Navi fast von allein die Piste zum Outlet der Schokoladenfabrik Wedel, wo wir nach dem Self-Service mit einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Polnisch abkassiert wurden. Ach übrigens: die unzähligen Pixie-Klos vor dem Fussballstadion, von denen ich schon berichtete, waren heute verschwunden! Schade, ich war extra einen kleinen Umweg gefahren, um sie Renja als neues Wahrzeichen zu zeigen. Wahrscheinlich standen sie dort aber nur für die Dauer der Jahresversammlung des Polnischen Inkontinenzverbandes ... Darüber macht man keine Witze, Bub!

Zum Mittagessen lud ich Renja in eine "24-Stunden-Kneipe" ein. Sie erwartete das Richtige, und wurde durch den Anblick der heruntergekommenen Häuser in der Nachbarscchaft auch noch bestärkt darin. Die Soho-Factory liegt auch tatsächlich etwas merkwürdig, ist aber eine Kreativinsel. Aber das 24/7 offene Restaurant "Warszawa Wschodnia" ist ein Spitzenrestaurant! Man sitzt wie beim Tepanjaki rund um den Herd, an dem vier Köche das Menü für den Abend vorbereiteten und die konkret bestellten Gerichte. Renja entschied sich für Oktopus-Salat und Kalbsschnitzel, ich für Gurkensuppe und gebratenen Oktopus. Es war alles sehr lecker, auch die kleinen Brötchen dazu. Das Mineralwasser kam in einer Beugebuddelflasche. Und das Ganze war mehr als erschwinglich!

Nur dass einer der Köche die ganze Zeit direkt vor uns die Zutaten für's Tartar kleinsthackte, das war störend. Aber nun wissen wir, dass auch die nicht kleingehackten Zutaten astreine Ware sind! Und dass die Pommes Frites frisch aus rotschaligen Kartoffeln gefertigt werden.

Die Ausstellung im Museum für zeitgenössische Kunst war ordentlich, aber bot wenig Highlights. Am besten waren noch die interaktiven Exponate.

Renja konnte sich sogar doppeln!

"For a man with a hammer, everything looks like a nail!"

Na, nach einem kurzen Bummel durch die Altstadt, bei der Renja auch ein cooles Sweatshirt fand ("Doing real stuff sucks") und wir beim Stammlokal von Wedel eine bittere Schokolade bzw. das Schokoladen-Triplet tranken und einen Käsekuchen teilten, fanden wir uns in den "Goldenen Terrassen" ein, um die Kollegin Ewa und ihre Familie für das Konzert zu treffen. War nicht ganz trivial, weil mein iPhone wegen Ladungshemmung ausgeschaltet war (ich wollte doch das letzte Milliwatt dafür aufsparen, dass mich Renja im Notfall mit der neuen polnischen Nummer anrufen kann!) (Hallohallo, Ralph, ist dir nicht aufgefallen, dass Renja dich auch nicht erreichen kann, wenn dein Handy ausgeschaltet ist um Strom zu sparen für ihren Anruf?)
Wir gingen dann zu siebt in den grossen Konzertsaal des von Joseph Stalin dem polnischen Volk gestifteten Kulturpalastes. Das Bauwerk ist umstritten, aber es ist zu teuer es abzureissen, als bleibt es stehen. Es ist immerhin das siebthöchste Gebäude Europas! Der Konzertsaal fasst 2880 Personen, und das Konzert der Gruppe Dżem war ausverkauft bis auf den letzten Platz. Renja und ich sassen weit getrennt auf randständigen, ungepolsterten Not-Klappsitzen!
Die Gruppe Dżem hatte zur Verstärkung ein kleines Symphonie-Orchester mitgebracht. Meine Meinung ist nun, dass sie das besser gelassen hätten. Die Rockband spielte sehr anständig, das hat Spass gemacht und das Publikum klatschte auch (nach lautem Mitsingen fast aller Lieder!) vier Zugaben heraus, so dass Dżem insgesamt 3 1/4 Stunden auf der Bühne waren. Aber die Einstellung der Verstärker betonte so sehr die Rockgruppe und darin dann wieder Gesang, Gitarre und Schlagzeug, dass das Orchester akustisch nicht mehr aufgelöst werden konnte und nur einen Geräuschteppich produzierte. Es machte alles einfach ein wenig sehr lauter, sozusagen. Und dann frage ich mich, wozu brauche ich eine Oboe, einen Kontrabass und eine Perkussionsgruppe (die aus Leibeskräften spielt!), wenn ich sie eh nicht höre?! Aber es war trotzdem sehr anregend, hat sich gelohnt.

Ja, und danach sind wir mit bis zu 211 Sachen nach Łódź gebraust und haben den Camembert aus dem Kühlschrank leergemacht ...


10. Oktober 2013

Low Carb

Soeben ist meine low carb Diät kollabiert! In sich zusammengefallen beim Anblick dieses schweren Poznańer Gebäcks aus Nüssen und weissem Mohn. 

Drückt mir bitte die Daumen bei ihrer Reanimation!

29. September 2013

Steve Ballmer verabschiedet sich auf seine Weise

Man kann ja über Microsoft und seinen Führungsstil sagen was man will, aber seine Haltung sich in einer riesigen Arena vor seine Mitarbeiter zu stellen und sie unter Tränen zum Stolz auf ihre Firma anzufeuern, das hat Grösse und das verdient Respekt. Hier klicken.


Nachlese des "Warsaw Gallery Weekend"

Warschaus Skyline, gesehen von der Galerie "lokal_30" in der ul. Wilcza

Erst mal dem Ärger Luft machen: Jetzt hatte ich schon ganz viel geschrieben, dann wollte ich noch ein fehlendes Bild hinzufügen, und diese Aktion hat alles bisher Geschriebene wieder gelöscht. Inklusive Speicher.
Polen sagen dann "kurwa", mit ganz böse grollendem "r".

Also nochmal von vorn.

Dieses Wochenende ist das "Warsaw Gallery Weekend", und da haben etwa 20 Galerien spezielle Öffnungszeiten und Angebote. Natürlich habe ich mich darauf vorbereitet. Intensives Studium der Ausstellungen erlaubte mir die Auswahl der anzustrebenden Galerien gemäss der Kriterien Künstler und Stil (nur Bilder, keine Videos oder Groß-Skulturen oder so'n Kram), und Erreichbarkeit. Es blieben zehn Galerien übrig, von denen ich dann heute nachmittag sieben besuchte. Alles zu Fuss, und das war richtig spannend. Natürlich hatte ich die Laufroute von Google Maps berechnen lassen, und punktiert in die ausgedruckte Marschkarte eingezeichnet. 4,7 Kilometer waren es, machbar in 59 Minuten (natürlich ohne die Besichtigungen).

das Fazit fällt durchwachsen aus. Drei Galerien waren sehr anregend (Le Guern (die grösste Galerie am Platze), Bochenska, und Aleksander Bruno), Raster hatte interessante aber unpassende Kollagen, und drei Galerien waren überflüssig bis schrecklich (Czulość, lokal_30, Piktogram). Czulosc hatte nur einen einzigen Druck (!) an die Wand gehängt, ich hatte den Eindruck sie waren gar nicht vorbereitet - obwohl sie doch auf der Teilnehmerliste des Wochenendes standen! Es kann sein, das der persönliche Eindruck bei meiner Beurteilung mitgespielt hat: in Le Guern wurde ich eben von der Galeristin wiedererkannt, per Handschlag begrüsst und dem Maler vorgestellt, während ich im Piktogram ganz alleine den gezeichneten Wahnvorstellungen des Künstlers ausgeliefert war (der Künstler war auch anwesend, was es aber nicht eben besser machte).

Was bleibt?

Zwei Künstler gefielen mir, und ich hab die abphotographierten Bilder unten angeheftet (genau: die Bilder, die vorhin den Text löschten!!!): Włodzimierz Jan Zakrzeweski und Teresa Pągowska. Jan habe ich getroffen, Teresa ist 2007 gestorben. Beide haben eine lange internationale Liste von Ausstellungen und Preisen aufzuweisen, malen sehr unterschiedlich - aber sprechen mich spontan an. Ich muss ein Bild eines Künstlers ja innerhalb von 5 Sekunden mögen, sonst wird's nichts mit uns. Schönen "Mainstream" mag ich nicht, die Bilder müssen sich brechen und irgendwie Spannung aufbauen (das ist der Effekt, wo andere sagen "es passt nicht zusammen"). Natürlich fragte ich nach den Preisen. Während Zakrzewski für 8'000 bis 15'000 Złoty gehandelt wird, kosten die Bilder der Pągrowska eher so um die 90'000 Złoty, also rund 20'000 Euro. Ich liebe Zakrzewski!

Was sonst noch geschah.

Es war in sehr anregendes Erlebnis zu Fuss Galerien quer durch die Stadt zu suchen. Es brachte mich in Gegenden, in die sonst nie und nimmer Touristen kommen, und diese Gegenden waren voll mit kleinen Geschäften mit allen Angeboten. Neben dieser erwähnt uninformierten Galerie Czulość war zum Beispiel ein ganz famoses Bio-Café mit kleinen Marktständen und drei (!) Hof-Metzgereien. Auch fand ich für Rhea schon das Weihnachtsgeschenk (das Geburtstagsgeschenk hat sie ja schon gekriegt, aber noch nicht ausgepackt, so wie wir sie kennen). Nein, es ist keine polnische Wurst. Und es gab (ebenfalls abseits der Touristenpisten) verschiedene Luxusmeilen, mit Ferrari-Shop und japanischer Mode, italienischen Möbeln vom Feinsten und edlen Restaurants. Letztere allerdings eher verteilt, einfach so in einer Wohnstrasse oder in einer alten Fabrik.
Ich war in der "Soho Factory" mit Oldtimer-Ausstellung und Designstudios, mit schönen Restaurants (in denen man selber unter Anleitung des Chefs für seine Familie oder Freunde kochen kann) und einem Leuchtreklamen-Museum (siehe Bild). Und ich fuhr am neuen Europameisterschafts-Stadion vorbei, wobei mir eher die wohl hundert Pixi/Klos vor dem Eingang auffielen. Ist wohl was schiefgelaufen bei der Planung ...
Warschau bietet schon viel. Es ist ja auch gross: 3 Millionen Einwohner, und wenn man über die Stadtgrenze fährt sind es immer noch 10 Kilometer zum Zentrum. Bin mal gespannt, was Renja dazu sagt.


Włodzimierz Jan Zakrzeweski ,
"Bitwa o Jeziora Mazurskie" (1914, 2008), 48 x 44 cm, 15'000 zł


Włodzimierz Jan Zakrzeweski , 
"Ocalenie Kosmy i Damiana" (2013), wg obrazow Fra Angelico i Hieronymusa Bosch'a


Teresa Pągowska
"Der 23. Tag" (2001)


Teresa Pągowska
"Hund", Kollage (1971?)


Leuchtreklame-Museum (die Buchstaben kann man auch kaufen)


So'n Graphiker in der Galerie Piktogram/BLA  in der Soho Factory


Noch'n Graphiker in der Galerie Piktogram/BLA  in der Soho Factory


Ralph Rutte
"Biologischer Preßsack mit Kümmel"
unverkäuflich und unbezahlbar



22. September 2013

Piotrkowska Street Art 2013

Gestern Abend war ich in der Stadt (Lodz) in einem Konzert. In einem öffentlichen Konzert, im Hinterhof der Piotrkowska 17 beim Pub Niebostan. Gespielt haben Daniel Waples (Hangdrum) und Flavio Lopez (Violine), zusammen auf Tour durch Europa unter dem Namen "Hang in Balance" (https://www.facebook.com/hanginbalance). Zur ätherischen, ja psychedelischen Musik der beiden wurde auch noch simultan gemalt: Auf vier knapp hintereinander hängenden, transparenten, grossen Gaze-Leinwänden hatten sie fluoreszierende Farbe aufgesprüht, und ein Künstler mit grüner Wollmütze malte bei Dunkelheit mit blauem UV-Laser auf diese Tücher. Sah cool aus!



Es waren wahrscheinlich 300 Zuschauer gekommen, die meisten standen da auf diesem Innenhof, oder sassen (bei 12 Grad!) auf dem Boden. Ich hatte Glück gehabt und konnte auf einem Steinmäuerchen (bei 12 Grad!) mit perfekter Sicht sitzen, weil ich pünktlich und damit zu früh eingetroffen war.

Ich ging dann nach einer (wirklich anregenden, positiven) Stunde, denn es wurde zunehmend schwieriger:
- die beiden Musiker spielten ununterbrochen die gleiche psychedelische Musik, ohne Spannungsbögen,
- es wurde zunehmend unklar, was der malende Künstler vorher geraucht hatte, denn seine Graphik stand in keinem Zusammenhang zur Musik, weder vom Motiv noch vom Takt, und
- der Stein wurde und wurde nicht wärmer.

Also brach ich ab/auf/zusammen und spazierte noch etwas die - wie üblich am Samstagabend - sehr geschäftige Piotrkowska entlang, bis zum Hotel Grand und zurück. Dabei konnte ich die momentan angesagten Pubs erforschen (Lumumbowa ist out, dafür kracht's im Sherlock Holmes!). Als ich auf dem Rückweg wieder an dem Innenhof der 17 vorbeikam, spielten und malten sie noch das Gleiche wie vorher. Oh weh!



3. September 2013

Accent aigu

Gestern rief ich in der Wiesbadener Filiale eines namhaften japanischen Automobilherstellers an, um einen Termin mit Probefahrt für den kommenden Samstag zu vereinbaren. Es dauerte vier Minuten in der Warteschleife ("Bitte legen Sie nicht auf, Sie werden gleich verbunden"), bis sich eine junge Frauenstimme meldete. Sie sei zwar nicht zuständig, werde aber meinen Wunsch weiterleiten und man würde mich zurückrufen. Wie denn mein Name und die Telefonnummer sei. Ich gab ihr meine Mobilnummer und buchstabierte den Namen.

"Mit accent aigu?"

fragte sie daraufhin. Das überraschte mich nun doch ein wenig, denn wer kennt schon die Schreibweise meines Familiennamens in der französischen Form mit "é", bzw. wer nimmt sich die Mühe bei einem solchen Telefonat darauf zu achten? Sie wich aus, als ich sie daraufhin ansprach, und nuschelte etwas von "zur Hälfte".

Allein schon zur Vertiefung dieses Gesprächs müssen wir nun die Probefahrt machen!

824: „Muß di ni argern, dann geit di dat goot“

Sinnspruch an der Wand des Glücklichen Matthias : Darunter schmeckte uns Pannfisch und Schlemmerteller (nein, nicht der vom Horst!).  Danach...