23. November 2014

Gehen wir heute mal Schwedisch Essen?

Zwei Drittel der Familie waren kaum zu halten: sie mussten einfach wieder mal zu IKEA. Ingvar's Fleischbällchen dienten als Vorwand, um eine dreiseitige (!) Einkaufsliste einzupacken. Eigentlich wollten wir erst spät am Abend gehen, denn IKEA Khimki hat täglich bis 02:00 morgens geöffnet, wegen der grossen Ungeduld ("Sind wir schon da?") wir trafen aber schon um Acht ein. Um 23:00 standen wir dann an der Kasse 26, und sahen diese Szenen um uns herum:

Samstag Nacht: Lange Schlangen im IKEA.

Dabei war der Laden noch voll von Kunden, und der Parkplatz auch! Sind das alles Menschen, die auch nichts Besseres vorhaben, oder ist das schon "das Bessere" für diese Menschen?

Eine Wohltat war dagegen der Verkehr. Wir standen lediglich 10 Minuten am Puschkin-Platz, danach ging es flott die 20 Kilometer auf der Leningradskiy bis zur nördlichen Stadtgrenze/MKAD, wo dann das Einkaufszentrum MEGA mit IKEA liegt. 
Wie der Verkehr sonst am Abend so aussieht? Bitte sehr, eine Kostprobe :

Die Brücke über die Moskva ist gestopft voll, da geht nichts mehr!

Interessant ist aber die Ampelschaltung bei Hochbetrieb: Die Rot-Phasen werden seeeeehr lang, gestopptes Maximum waren 12 Minuten. Danach wird aber dann (manchmal, nicht immer) die Grün-Phase auch sehr lang geschaltet. Sie machen das vor allem dann, wenn zwei Strassen sich in eine kombinieren, dann führen die grösseren "Autopakete" zu flüssigerem Verkehr nach der Ampel. 

Oder auch nicht.

Vorweihnachtszeit

Die von Christen gefeierte Weihnacht prägt ja in weiten Teilen Westeuropas stark die von Handelsgeschäften gepriesene Vorweihnachtszeit. Lichterspiele, Farben, Melodien in Kaufhäusern, Waren - alles ist ausgerichtet auf üppige Geschenke an einem, gemeinsamen Tag. Manche verwechseln diese Narretei mit Liebe, ersetzen Emotionen durch Kalorien. Man kann zum Weihnachtsfest stehen wie man möchte, aber die Oberflächlichkeit davor ist auf jeden Fall schade.

Nun spielt Weihnachten hier im orthodoxen Osteuropa keine Rolle (im Unterschied zum angeblich heftig gefeierten Neujahr in der ersten Januarwoche!). Da müssen sich dann die Expats eben selber helfen. Die deutsche Botschaft veranstaltete gestern einen grossen "Weihnachtsbasar" im bewachten Botschaftsgelände: Lebkuchen in der Aula, Adventskalender hinter dem Schwimmbad, und Bier an der Bar. Es war schon recht voll, als wir um die Mittagszeit vorbeischauten. Einige bereits vertraute Gesichter ("Frau Siemens", Wirtschaftsattachee, Jens von der Visumabteilung,...) erlaubten etwas Smalltalk, ansonsten bewegten wir uns dicht umgeben von anderen Daunenjacken durch's Gewühl.

Am Eingang zur Aula.

Kauf von Elisenlebkuchen. Mit ausgezeichneter Beratung durch das 10-jährige Verkaufspersonal: "Nehmen Sie doch diese andere Packung zum gleichen Preis - da bekommen Sie 300 Gramm statt 220!"

Natürlich bildete sich eine lange Schlange vor dem Grill. Bratwürste, Leberkäs und Bier waren alle eingeflogen worden!

Nun wechseln wir gedanklich vom senfbekleckerten Bratwurststand in die Akademia. Anlässlich einer studentischen Job-Börse der Deutsch-Russischen Handelskammer besuchte ich die Journalistische Fakultät der Lomonossow-Universität. Es gibt dort tatsächlich ein deutsches Publizistik-Institut, etwas versteckt im Erdgeschoss gelegen. Die Anschlagtafel ist auch eher pflegeleicht-grossflächig gestaltet, längere Pausen im Update fallen da nicht so auf.

Landkarten machen sich immer gut am Schwarzen Brett.

Ein schöner alter Bau. Die Job-Börse fand oben auf der Balustrade statt.
Das Bild zeigt Lomonossow bei der Arbeit.

10. November 2014

29 Kilo Bukhara eingetroffen!

Heute kam der Teppich aus Bukhara an, schneller als gedacht. Der Firmenfahrer holte ihn bei der Post ab, irgendwo im Norden der Stadt. Ich hatte ja schon den Anruf des Postbeamten am Telephon nicht verstanden, da konnten meine Kollegen mich nicht hingehen lassen! Die Verpackung der 29 Kilo war ordentlich: aussen praktisch in einem offenen Big-Bag der russischen Post verpackt, das erlaubte kräftiges Zupacken. 


Darunter die mit Adressen und Zollangaben sauber beschriftete Baumwolle, zugenäht und versiegelt. 



Darunter Plastiktüten, getaped (emotionslos, daher ohne Bild). 

Und dann der Teppich! Wunderbares warmes Rot, dezentes Muster, mit Strich! Er passt gerade so in das Zimmer an den vorgesehenen Platz. 


Das tollste sind die eingewebten kleinen Unregelmässigkeiten, mit denen die Weberin ihre "Handschrift" einwebt oder irgendwas ausgleicht. Wer findet sie auf den beiden folgenden Bildern? Aber nicht nur auf die Unregelmässigkeiten achten: der ganze Teppich ist sehr regelmässig angelegt, und die Linien sind genau geführt (mit Freiheit im Detail eben). 



Wir haben richtig Freude!

9. November 2014

Kultur vom Feinsten, und dann 'ne Maß Bier!

Den Abschluss Ulrike's Geburtstag bildete unser gemeinsamer Besuch des Konzerts des "Glenn Miller Orchestra" im Haus der Musik (regelmässigen Lesern meines Blogs ist dessen sibirische Lärche bereits bekannt vom früheren Besuch eines Orgelkonzerts). Wir hatten alle so viel Spass an der geschliffenen Darbietung dieser Bigband von Klassikern wie Moonlight Serenade und Chattanooga Chou Chou (ich war übrigens schon mal in Chattanooga, Steak essen!). Sie spielten über zwei Stunden mit ganz toller Stimmung, wie üblich mit viel Humor und gekonnten Soli. 

In der Pause unterhielt ich mich noch mit den beiden Damen auf den Plätzen vor uns auf der Beletage. Sie hatten sich sehr höflich beschwert, ich würde ständig gegen ihre Lehne treten. War aber nicht ich sondern der Knabe neben mir!  Das fanden sie dann auch heraus, und wir hatten noch einen Austausch über ihren kürzlichen Besuch in Dresden und Berlin. Wir fanden dadurch heraus, dass nicht nur Shlagbaum, sondern auch Zeyghaus ein deutsches Lehnwort im Russischen ist, jawoll! Es macht Spass, in einem 3-Minuten- Gespräch so weit zu kommen!

Danach noch in den Torro-Grill für ein gutes Steak. Ab 22:00 Uhr war Happy Hour für ethanolhaltige Produkte, der Kellner brachte also gleich mal zwei Gläser für jedes bestellte Bier! So hatten Ulrike und ich eben je eine Maß intus auf der Rückfahrt mit der Metro. 




3. November 2014

Eins, Zwei, Drei im Sauseschritt ...

Gestern am späteren Nachmittag gingen Rhea und ich noch etwas Spazieren. Das ist das Schöne an einer so zentralen Lage: Man geht aus dem Haus - und ist schon gleich wo! Unser Ziel war der (uns völlig unbekannte) Park Bolotnaya Ploshad auf der Moskva-Insel. 



Wir liefen stramm, und fanden ausser einer stillen Abkürzung durch einen Hinterhof des Geologischen Instituts mit Pyramide nur recht stark befahrene Hauptstrassen als Verbindung zum Park. Jetzt haben ja schon viele ihre Spikes-Reifen montiert, das macht ordentlich Lärm!
Der Park ist schön aber an sich reizlos. Einige Besonderheiten aber bietet er doch. Ein allegorisches Denkmal für den Schutz der Kinder vor den Sünden der Alten zum Beispiel. 


Oder extra angefertigte und rege genutzte Liebesschloss-Bäumchen:


Es gelangen uns aber auch ein paar schöne Schnappschüsse von uns und vom Kreml. 




1. November 2014

cubiculum.ru

Das war schwer! Und zu allem Überfluss ist uns auch noch der Atomkrieg ausgebrochen.

Der Tag fing an wie bei Beckett: "Warten auf Kyrill". Kyrill ist der Mann, der uns das Trinkwasser bringt, in diesen praktischen 19 Liter-Flaschen aus Polycarbonat, die bald ersetzt werden müssen durch anderes Plastik, weil Polycarbonat toxische Monomere enthalten könnte. Und Kyrill war zwar angesagt, kam aber nicht. Wie Godot eben.

Um Drei brachen wir auf in die Bolshoia Novodmitrovskaya 36 c3 Treppenhaus 3, 5. Stock. Dort hat die Abenteuerfirma cubiculum zwei Räume zu rätselhaften "Spielplätzen" für Erwachsene eingerichtet. Wir hatten die Aufgabe, innerhalb von 60 Minuten unendlich viele kleine und grosse Rätsel zu lösen. Das einfachste Rätsel war noch den Schlüssel für Licht und Strom in einem Hohlraum in einem der Bücher zu finden. Die anderen Aufgaben waren eher kryptographischer und logischer Natur. Nicht unmöglich zu lösen, aber es waren so viele, dass uns die Zeit davonlief! Die freundliche vietnamesische Betreuerin gab uns über Lautsprecher in den letzten 10 Minuten ganz viele Tipps, die wir aber wegen der zu lauten, permanenten Hintergrundmusik (Marschmusik, wir befanden uns schliesslich in einem imaginären russischen Atombunker!) kaum verstanden. So schafften wir es also nicht in den dritten Raum vorzudringen, in dem sich der sagenhafte und heilsbringende "Rote Knopf" befunden hätte, und brauchten auch den als wesentliches Utensil herumliegenden Haarfön nicht (damit hätten wir Memory-Legierungen dazu bringen können sich zu einem Zahlencode zu biegen!). Die 60 Minuten vergingen wie im Flug, und die SS-20 werden wohl irgendwo gestartet sein - nur weil wir den Roten Knopf nicht zeitgerecht drücken konnten! Das ist natürlich dumm für die wo's trifft, uns hat die Übung aber grossen Spass gemacht und wir haben gut zusammen gearbeitet. Danke, Aaron und Rhea! Und für die Vietnamesin war es ein "grosser Tag", weil sie Ausländern begegnete und Englisch reden konnte (das sagte sie wirklich so).

Wir bummelten danach noch ein wenig durch das benachbarte Kreativzentrum "Flacon" mit Boutiquen und Free-Ski-Shops (das uns allen gut gefiel), und fuhren dann heim. Und feierten Rhea's Geburtstag nach.


 Geschenk für Aziz in Uzbekistan, er ist ja Beatles-Fan.

 Kreativzentrum Flacon

 Tatsächlich ein Blumenladen.

Rückblick auf Besonderheiten

Machen wir nach einer Woche "Normalzustand" noch einen Rückblick. Heute kommen mehr so die Besonderheiten und Petitessen zur Sprache und zum Bild, nicht die bereits bebilderten bekannten Plätze. Diese kann ich sowieso nicht auseinanderhalten, es fällt mir schwer die Namen und damit Identitäten auseinanderzuhalten. Dafür könnte ich euch auch nächstes Jahr noch dort herumführen ...

Die subjektive Reisezeit bestand im Wesentlichen aus
  • Besichtigungen,
  • Autofahrten,
  • Nachtflügen.
Von Tashkent fuhren wir für das Mountaineering-Wochenende nach Beldersay, und am Montag wieder nach Tashkent zurück. Dienstag morgen flogen wir nach Urgench und machten die Stadtbesichtigung in Xiva/Khiva. Durch die "Rote Wüste" ging es auf guter Piste nach Bukhara, Teppich kaufen. Samaerkand war die nächste Station, dann erreichten wir Samstag abends Tashkent. Abreise von Hotel zum Flughafen um 02:05 Uhr früh, gääähn! Den Sonntag danach könnt ihr vergessen.

Die Autoroute, insgesamt 1245 km. Zwischen Tashkent und Urgench flogen wir und fuhren dann zurück.


Es war ja eine Familienreise. Bis auf die Klampfe sahen wir auch fast so aus.

Bis auf die beiden Personen ist Tashkent eher protzig angelegt, alles etwas post-sowjetisch hier.

Uzbekisch ist so gut wie unverständlich. Kenntnisse des Türkischen würden aber helfen.

Die Spitzbogenform findet man überall. Aaron hat sich bereit erklärt die generische Kurvenform zu identifizieren.
Wird beizeiten veröffentlicht - Stay Tuned!

Die alte Fliesenkunst war beeindruckend. Keramik überdauert eben auch Jahrhunderte, Sonne und Wind (allerdings weniger gut Frost oder Diebe). Die alten Bauten waren mit prachtvollen und (und in den oberen Teilen originalen) Facadenmosaiken versehen. Über die Jahrhunderte kam zum ursprünglichen Cobaltblau immer mehr Grün/Türkis dazu.

Khiva
Ein modernes Stukko an der Wand des Restaurants in Samarkand.
Die weissen Stege waren dreidimensional herausstehend. 
Das Stenenmuster als Fliesen ...
... oder als prachtvoller Bukhara-Teppich.
Samarqand bot modernere Mosaiken, in anderen und intensiveren Farben.

Zum Schluss noch etwas zu den Menschen in Uzbekistan. Wir hatten in unserer (betreuten) Woche eigentlich nur gute Erlebnisse, freundlich und hilfsbereit waren sie.

Der Marktplatz in Khiva, photographiert von K. Devanov im Jahr 1920.
Die scheinbaren "dreadlocks" sind Fellmützen, die heute noch verkauft werden.
So herzlich:

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Es war eine gute und schöne Reise, sehr empfehlenswert.

824: „Muß di ni argern, dann geit di dat goot“

Sinnspruch an der Wand des Glücklichen Matthias : Darunter schmeckte uns Pannfisch und Schlemmerteller (nein, nicht der vom Horst!).  Danach...