24. März 2015

Statistik, dienstbar gemacht.

In eigener Sache zu sprechen ist für einen Blog mit minimalem Anspruch fragwürdig. Der Begriff der Reflexion klingt schon besser (hat etwas von "Einsicht in die Notwendigkeit"), während - pfui! aus! - Narzissmus neuerdings in aller Munde und daher etwas abgelutscht daherkommt.
Trotzdem finde ich interessant, was sich so über die 609 Blogs in fast 5 Jahren bei sprachwand so getan hat. Dafür gibt es für Verfasser die Seite "Statistik":


Statistik-Seite der sprachwand heute, "über alle Zeiten"
Der fulminate Beginn hielt sich bis zum Herbst 2011, um dann - nur von 2 Peaks im Sommer 2012 (USA) und 2013 (Wales und England: 1221 Zugriffe im Juli 2013!) unterbrochen - eher dünn dahinzurieseln. Seit Winter 2013/2014 sieht man einen steten Anstieg der Leserzahlen auf heute 15-20 Zugriffe pro Tag. Die Zugriffsquellen sind etwas verzerrt durch die Zeiten der Attacken der Webcrawler. Und die Landkarte zeigt einige Länder nur in Hellstgrün (Schweiz, Portugal, ...)


Top Ten der sprachwand. Kein Hit in den letzten 18 Monaten gelandet!

Der meistgelesene Beitrag ist ja der berühmte "Refund" über den Rückflug aus Mumbai. Der "Weisse Weinbergpfirsich" stand am Anfang eines Trends auf den Obsttheken. Dass es Renjas Aufsatz auf Platz 5 schaffen würde war nicht von Anfang an vorherzusehen, ist aber vielversprechend.
Mein Dank geht an die Leser und Kommentatoren.

22. März 2015

Spaziergang in Kitay-Gorod und Chistye Prudy

Ist das schon Aprilwetter jetzt, oder was? Über Nacht war alles gefroren, also wurde mein Sonntags-Spaziergang stellenweise eine riskante Rutschpartie. Aber wenigstens schien oft die Sonne, die heute Nachmittag durch ein gräusliges Schneegestöber verdeckt wurde. Die Sonne, scheint's, ist auch etwas scheu geworden letztens, versteckt sich hinter allem was ihren Weg kreuzt!
Der Spaziergang führte mich durch Hinterhöfe neben der Tverskaya ("Immer die Fluchtwege kennen!") über den Roten Platz auf die Nemtzov-Brücke. An den Klöstern der Kitay-Gorod ("Korbstadt", wegen der früheren, geflochtenen Palisaden der Stadtbefestigung) vorbei ging es zu den Chistye Prudy, den "Sauberen Seen", an der Lubyanka borbei durch die Kuznetzky Most wieder heim. Auf der GPS-Karte also gegen den Uhrzeigersinn:


Auf der Moskva-Brücke ging ich zu der Stelle, an der vor drei Wochen Boris Nemtzov erschossen worden war, anscheinend von übereifrigen Chechenen. Bestimmt 100 Meter des Brückengeländers waren bedeckt mit frischen Blumen!


Kitay-Gorod und Chistye Prudy sind zwei sehr attraktive Quartiere, mit hoher Lebensqualität. Einige Bilder:







Denkmäler von Dichterfürsten ...


... stehen am "Sauberen Teich" (der früher eine Kloake war und "Dreckiger Teich" hiess, bis ihn Peter der Grosse einfach per Dekret umbenannte!):


Der berüchtigte Hintereingang der Lubyanka, des Hauptquartiers aller russischen Geheimdienste seit 1917 (Cheka, KGB, heute: FSB). 


Wer durch dieses Tor gebracht wurde, der konnte von hier aus Sibirien sehen ...

Zu guter Letzt passierte ich die Stoleshnikov, eine der 10 teuersten Strassen der Welt (noch nach det 5th Avenue aber vor der Bahnhofstrasse!):


Das Gelände neben unserem Haus hat einen schmiedeeisernen Zaun mit Hammer-und-Sichel-Symbolen. Die waren schon dick übermalt und kaum noch erkennbar unter unzähligen Lackschichten. Heute wurde der Lack abgeschlagen und die Ornamentprofile wieder geschärft. Wie nennt man das doch gleich: Restaurieren?

Statistik: Der Spaziergang dauerte 1:55 Stunden, und ich legte mit 11'364 Schritten 9.41 Kilometer zurück.

20. März 2015

Siegesverdunkelung

Am letzten Sonntag war ich im etwas pompösen Siegespark spazieren. Voel Marmor, Beton und Bronze dort. Aner die Sonne schien so schön, nur im Schatten war es noch recht kühl. 





Und noch ein Tzeretzeli:


Am Abend gab es frische Dorade auf Kürbis:


Heute war ja Sonnenverdunkelung, live leider mur 65%, also gerade noch wahrnehmbar. Um 13:22 Uhr war Kernschatten, da zündeten sie im Park vor meinem Büro das Feuerwerk! Renja und ich schauten uns Abends um Sieben die Aufzeichnung des AXE-Deoteams aus Spitzbergen an, die auf der hausgrossen LED-Leinwand am Novy Arbat gezeigt wurde. 



Danach gab's leckere Pizza im Zotman. 


16. März 2015

Frühmorgens durch Moskau fahren


Wenn viele andere noch schlafen, das Kind zur Schule muss, und der Vater zur Arbeit, dann ist die beste Zeit sich auf Moskaus Strassen zu bewegen. Und wenn dazu noch die Sonne aufgeht, dann macht das richtig Spass!

Ausserdem könnt ihr die Qualität meiner neuen Dashcam bewundern. Hier das Video, 3 Minuten bei Sonnenaufgang in Moskau.

Novaya ploshchad







9. März 2015

Artplay

Die Lofthouse-Galerie ARTPLAY in der Nähe des Kursker Bahnhofs an der dunkelblauen Metrolinie ist das El Dorado der Moskauer Innenarchitekten! Es gibt dort alle vorstellbaren italienischen Fliesen und Steine, Produzenten von Intarsien-Parkett (siehe den Blog von der Hermitage!) und Villeroy & Boch. Handgebaute deutsche Leicht-Küchen werden neben dem Geschäft für altenglische Unikate (Billardkugeln mit Durchmesser bon 80 cm, natürlich die schwarze 8) angeboten. Vitra natürlich mittendrin!

Wir waren eigentlich dort wegen der angeblichen Galerien, die wir aber nicht fanden. Da war das vorher im Vorbeigehen "entdeckte" Vinzavod etwas besser. Das Essensangebot im ARTPLAY fiel dann auch neben dem hohen Designstandard ab, und der Benchmark Düsseldorfs Food Market war eh' nicht mehr zu schlagen. 

Da steht was von "Prokofiev", aber dieser hier war ein Bierbrauer der Marke "Moskauer Bavaria"

Tunnelblick. Oder: Das Licht am Ende des Tunnels.

Kunst I

Kunst II

Steampunk in einer Vinzavod-Galerie.

Komposition neben dem ARTPLAY-Gelände, am Tunnelausgang.


8. März 2015

Ладья!

Ladya ist eine zwemal jährlich stattfindende Kunsthandwerksmesse. Der Pavillon 2 der Moskauer Expo wurde jetzt im März von geschätzt 400 Ständen besetzt, im Dezember werden es dann alle 8 Pavillons sein!
Man kommt nur mit Eintrittskarten in die Halle, aber das ist kein Problem. Man bekommt sie 20 Meter vor dem Kontrolleur, offen, von anderen Gästen geschenkt. Man kann sie auch kaufen, wenn man will. Wir beide jedenfalls hatten ohne unseren Lauf anzuhalten und ungefragt auf einmal zwei Packen mit insgesamt vier Tickets in der Hand!

Die Stände zeigten zum (kleineren) Teil wirklich gute Sachen, die nur auf Märkten angeboten werden oder von weit her kommen. Textilien waren häufig, aber auch Holz- und Walrosszahn-Schnitzer waren da, Schmuck, Porzellan und getrocknete Pilze wurden angeboten. Uns interessierten natürlich (am Tag der Frau!) Schmuck und Kleider am meisten, aber es wurden auch schon mal jecke Mützchen anprobiert. Chic war die Mütze aus Ziegenhaar, die wie eine graue Zottelperücke aussah: o-la-la! Oder die Fäustlinge aus Robbenfell aus Jakutien.

Wir kauften uns insgesamt drei Sachen:
• 100 Gramm getrocknete Himbeeren,
• ein Sack voll frisch gepuffter Weizenfladen ("Gibt's auch mit Schokolade! Oder mit Knoblauch!" - der Hersteller/Verkäufer hatte 15 Jahre bei Aachen gelebt!), und
• 500 Gramm Wildbienenwaldhonig aus dem Altai-Gebirge (jöööhdeli, die armen kleinen Bärenkinder, denen der jetzt fehlt!). 

Orenburger Strickwaren aus Ziegenhaar

Nicht alles wollte man gleich mitnehemn.

Den aber schon! Der braucht Wärme.
Jakutische Robbenfellmütze, innen mit Lammfell gefüttert. 

Na, wie sehe ich aus?

Wer findet die Verkäuferin?

Wer findet die beiden Verkäuferinnen? Das ist übrigens kein Selfie-Stick sondern ein Kissenholer.

Honig von Wildbienen, von dieser Wiese aus dem Altai-Gebirge.

Eine gelungene Bildersammlung von Zaren, Parteivorsitzenden und hemdsärmeligen Präsidenten.

7. März 2015

Cui Bono?

Das war heute ein Schreck!
Das übliche grosse Einkaufen verlief zwar ruhig, aber es ging einigermassen kontrolliert über die Bühne. War auch weniger Ware als sonst, aber immerhin Blümchen, wegen 8. März morgen! Ihr wisst schon: Clara Zetkin.

Was dann kam war spannend. So sah es von unserem Balkon aus:

"Schwarzer Jeep Cherokee günstig abzugeben. Leichte Schmauchspuren und Wasserschäden."





Der Schreck kam fast zeitgleich mit Bagaudin, unserem Russischlehrer. Ein Riesen-Radau ging draussen vor dem Küchenbalkon los, Motorsägen, Hämmer, Sirenen. Als ich auf den Balkon ging, da sah ich das Desaster: Das (ansonsten leerstehende) Nebenhaus brannte über alle Stockwerke, und die Feuerwehr löschte schon (das hatten wir aber gar nicht mitgekriegt, erst den Lärm, als sie die unteren Fenster einschlugen und sich Zugang verschafften!)



Da war was los bei uns im Hof!



Die Strasse blockiert, gegen die Fahrtrichtung!


Die Eingangseite, mit dem brennenden Treppenhaus.

Hier hatten sich die Feuerwehrleute schon wieder etwas beruhigt, und kraxelten munter auf ihren Leitern herum. Seitenschneider halfen bei der Entfernung der noch verwertbaren Metalle.

Helden.


Die Zufahrtsschwelle wird weggefelext.


Der Wagen hielt sich etwas im Hintergrund, als letzte Rettung so zu sagen.


Der erste Wagen der Moskauer Feuerwehr? Oder der Wagen des Kommandanten (so wie die Air Force One?)


Schlauchwirrwarr. Man beachte die durchdachte Platzierung der Überfahrhilfen!




Es stank natürlich entsetzlich, und war alles sehr spannend. Die Feuerwehrleute schrien uns etwas zu, das ich ohne alle Sprachkenntnisse sofort als "Geht ihr beide Gaffer sofort zurück in die Wohnung und schliesst die verdammte Balkontür!" verstand.


Es war ein echter Grossbrand, und durch die enge Bauweise auf unserem Grundstück waren die anderen Hauser (das sind wir!) durchaus nicht ausserhalb jeder Gefahrenzone. Die Strasse stand voller Feuerwehrfahrzeuge aller Alterstufen und Aufgaben, und ein alter Lada-Polizeiwagen sperrte die zuführende Einbahnstrasse ab. Wir gingen nach den beiden Stunden Russisch noch um den Block, da wurden noch die letzten Glutnester gelöscht.



Schmankerl für Rhea.




Jetzt fragt sich nur, warum ein leerstehendes Haus vom Treppenhaus aus einfach so zu brennen anfängt. Die Frage "Cui bono?" aus dem römischen Recht kann vielleicht bei der Antwort helfen. So wie auch bei anderen unerklärlichen Vorkommnissen auf Moskauer Brücken.




824: „Muß di ni argern, dann geit di dat goot“

Sinnspruch an der Wand des Glücklichen Matthias : Darunter schmeckte uns Pannfisch und Schlemmerteller (nein, nicht der vom Horst!).  Danach...