24. Januar 2016

Winter

Dieser Blog war mit Ansage, ja versprochen. Es tut mir leid, den regelmässigen Lesern etwas gefehlt zu haben, aber ich hatte anscheinend nach Yaroslavl eine echte Schreibblockade und genug anderes um die Ohren. Das Jahresende war im Geschäft aussergewöhnlich intensiv mit sehr langen Arbeitstagen, dann die Feiertage, und dann die Grippe. 



Die Feiertage mit so liebem Besuch waren ganz toll! Neben Rhea und Aaron war ja auch noch Hermine zu Gast, eine Katze mit kupiertem Schwanz und einer Streichelphobie. Die Gute war mit 3 Monaten ja noch sehr jung, neugierig und "wollte nur spielen". Dass sie aber meine Finger grundsätzlich für fangenswerte Beute hielt, war manchmal verwirrend und immer schmerzhaft! Aber es gab auch schöne Momente, keine Frage. Als sie wieder abgeholt wurde, fehlte dann schon auch etwas. 


Mit Rhea und Aaron unternahmen wir einige Ausflüge in Stadt und Umgebung. Es war ein schöner Besuch, hat Freude gemacht. Vor allem der stimmige Gesang unter dem Baum, der heuer erstmals aufgefaltet und nicht aufgestellt wurde (1,80 Meter, Vollplastik; Beleuchtung in verschiedenen Blink-Modi einstellbar). 


Strassenschmuck: 


Das 85. Jubiläum der Staatlichen Philharmonie im Grossen Saal des Moskauer Konservatoriums: 


Natürlich unternahmen wir auch Ausflüge mit dem Automobil:


An Silvester waren wir in der Operette "Graf Orlov". So sah der junge Casanova wohl in Echt aus: 


Danach zum Feuerwerk:


Silvester, Mitternacht, war sehr ungewohnt. Fast alles ging wie üblich weiter, die Geschäfte waren offen, niemand feierte oder gratulierte irgendwie. Auf der Tverskaya gab es einen kleinen Stau von Feuerwerksguckerautos (einzelne hupten dann sogar), die Kollegen auf der Sitzbank neben uns tranken während des Feuerwerks Schaumwein aus der braunen Papiertüte, und wir stiessen mit Glühwein an (öffentlich darf ja kein Alkohol getrunken werden!). Wir feierten dann zu Hause in das Neue Jahr hinein. 


Und am 6. Januar abends um 23:00 Uhr erwischte uns Alten die Grippe. Das Abendessen gestalteten wir als "jeder Gang in einem anderen Fastfood-Restaurant". Leider waren einige Restaurants wegen des ungeheuren Gedränges nicht erreichbar (bzw erwartet überfüllt), oder schon geschlossen. Aber Vorspeisen (Мu-Mu) und Hauptgang (#Farsh) haben wir prima und wohlauf geschafft. Nur nach dem Hauptgang wurde ich schlagartig so krank und schwach, dass ich es kaum nach Hause zu schaffen glaubte! Innerhalb Minuten wurde ich krank, das Fieber stieg auf fast Vierzig, und blieb einige Tage so hoch. Das Schlimmste waren jedoch die ungeheure Schwäche, die 2 Wochen anhielt, dazu die Appetitlosigkeit, die MagenDarm-Probleme, und die Unlust zu Lesen. Der ständige Husten trieb mich zum Arzt, der zum Glück die Komplikation Lungenentzündung ausschloss, aber die Diagnose H1N1 (vulgo Schweinegrippe) stellte. Und, wie gesagt, Ulrike litt parallel dazu durch das gleiche Phänomenologium! Wünschen wir keinem, lasst euch impfen. 

Und dann kam auch der Schnee!


8. Januar 2016

Versprochen!

Sobald ich von meiner neuen (aber leider recht unangenehmen, da echten) Grippe genesen bin, werde ich einem Eintrag über den Jahreswechsel in Moskau schreiben. Versprochen!


6. November 2015

Yaroslavl

Es war ganz einfach unser Hotel zu finden: es ist das einzige auf der Volga! Es ist nämlich ein Hotelschiff. Sehr bequem, ruhige Zimmer, und ein Balkon zum Fluss zu. Leider liegt vor dem Balkon noch ein zweites Schiff, so dass die Sicht nicht so toll ist. Naja. 


Heute morgen lag noch Nebel über dem Fluss, und ich sah wieder einmal zwei Vögel friedlich nebeneinander dahinziehen:


Für die mehr prosaischen Leser sei hier auch ein Frachter abgebildet, so sieht dann jeder etwas für sich Passendes schwimmen.


Zugegebener Vorteil: die Frachter kann man wenigstens ohne Zoom erkennen. 

Wir liefen den halben Tag durch die Altstadt und besichtigten Klöster, Kirchen und Museen. Wir begannen mit der Verkündigungs-Kathedrale gleich neben unserem Hausboot. Viel Weiss, und sehr üppig goldverbrämte Ikonen:




Im "Kloster der Wandlung des Herrn" waren wir in der Edelsteinkammer und auf dem Glockenturm, der einen wunderbaren Blick über die Stadt erlaubt.  Wenn man einen Platz vor den anderen Touristen ergattert hat ...


Die Kirche des Kazaner Frauenklosters bot überbordende Deckenfresken:


Und vor der Kirche von Elias dem Propheten fand eine Parade verschiedener militärischer und polizeilicher Organizationen statt. Leerstand wurde durch Kinder und Zivilisten aufgefüllt, die Marschdisziplin war entsprechend durchwachsen:


Aber dann ging's ins "Museum und Zeit". Wir bekamen 50% Rentnerrabatt, und verstanden so gut wie nichts von Führung und Demonstrationen der Uhren, Grammophone, Glocken und Bügeleisen. 


Wer entdeckt die beiden Fleischwölfe?


Nach einer Pause im Hotel geht es zum Znacht in die Stadt. "Gebrüder Grimm-Grill" oder tschechisches Brauhaus?

5. November 2015

Kostroma II - Abschied vom Stahl

Das Hotel "Old Street" entsprach wirklich in jeder Hinsicht gehobenen Ansprüchen. Ruhig, sauber, modern und mit guter, zentrumsnaher Versorgung der (wenigen) Gäste war es ein Schnäppchen. Es bot sogar ein mehrgängiges Frühstück umsonst an - bis auf den Kaffee, den musste man zahlen 
Wir schliefen lang, genossen Croissant-Frühstück (mit Kaffee) und fuhren nach dem Packen los, zum Ipatiev-Kloster ennet der Kostroma. 
Das Ipatiev-Kloster, rechts die Brücke über den gerade noch am seinen Gestaden erkennbaren Kostroma-Fluss an seiner Mündung in die Volga:


Das Kloster bietet einfache Museen und eine allerdings recht üppig goldgeschmückte Kirche. 


Die Ikonensammlung im Klostermuseum:


Ein besonderes Schmankerl für die graphologieinteressierten Leser dürften jedoch rezente Originaldokumente in Handschrift zweier russischer Präsidenten sei, Medvedev und Putin. Sieht man ja nicht alle Tage, und Gestaltung von Schriftbild, Umter- und Oberlängen sind aufschlussreich. Medvedev hat vergessen, dass er noch Platz für seinen Namen braucht:


Und Vladimir Putin lässt dafür genug Platz:


Am Zwickel zwischen Volga und Kostroma machten wir Rast und teilten uns einen Früchteriegel Marke FITFRUIT:



Wir stellten dort simultan fest, dass wir nicht mehr wie früher ernsthaft durch den Stahl von Industriegebieten wanderten, sondern jetzt eher kulturelle Aspekte bevorzugen. Der Abschied vom Stahl steht für vieles, ohne jedoch an Lebensphasen gebunden zu sein. Eher so eine Rotverschiebung ...

Die Gassen rund um das Kloster (und auch sonst in Kostroma) wurden gesäumt von winzigen, aber kunstvoll geschnitzten Häuserchen:


Über etwas enttäuschende Stationen der Leinen-Manufaktur und der Wohnung des Schneemädchens ("Da gehen wir aber nicht rein!") ging es zum Markt zurück, Mittag essen. Dort im Cafe vergass ich Adapter und Lightning-Kabel, sehr ärgerlich und teuer! Auf dem Markt kauften wir noch Trockenpilze und Sharon, bevor wir "die Hühner sattelten und nach Texas ritten, der Sonne entgegen". Wir fuhren nämlich genau nach Westen, und wegen der blendend untergehenden Sonne direkt vor uns sahen wir keine Ampeln mehr. Das war eine Gaudi!

Aber Lenin zeigt den Weg:


Und jetzt liegen wir in Betten auf dem Hotelschiff auf der Volga, mit (schlechtem aber immerhin) Blick auf den Fluss. 


Dieses Bild passte textlich nirgendwo. Titel: "Support you local dealership!"




4. November 2015

Kostroma I

Da heute in Russland Feiertag ist (Tag der Einheit), entschlossen sich die Eltern zu einem Ausflug ins verlängerte Wochenende. Die Tochter blieb schulpflichtig zu Hause. Unser Ziel war eine Etappe des "Goldenen Rings", der rund um Moskau zaristische Klöster und Profanbauten verbindet. Kostroma liegt auf diesem Ring, allerdings mit der grössten Entfernung (ca. 300 km, im "Perihelion") von Moskau. 


Die Stadt hat ein sehr gut erhaltenes Zentrum einer Handels- und Marktstadt. Riesige Hallenkomplexe mit Arkaden bote und bieten Platz für allerlei Zeug, Schuhe, Bücher und Obst. Wir erforschten am späten Nachmittag nur das Zentrum auf der nördlichen/linken Wolgaseite, morgen geht es zu einigen anderen Sehenswürdigkeiten. 





Die Wolga, hier nur ca. 800 Meter breit:







14. Oktober 2015

Achtung, frisch gestrichen!


Wieder mal ein Besuch in der Ostukraine, im Oblast Lugansk. Die Strassen sind schlechter geworden seit dem Besuch im Mai, der Transport schweren Kriegsmaterials hat (vor allem im Sommer) den Asphalt und den Unterbau zerstört, die als Hauptstrassen gedachten Wege sind von tiefen Spurrillen gekerbt. Nach dem nächsten Winter mit den zusätzlichen Frostschäden werden sie unbrauchbar sein. 
Statt fünf gibt es auf unserem Weg nur noch drei Checkpoints. Heute war Präsident Poroshenko in Severodonetsk angemeldet, da waren die Checkpoints dorthin alle besonders besetzt, aber nicht "schärfer" als im Mai. Die Soldaten auf Posten hatten sämtlich funkelnagelneue Uniformen an, noch kein einziges Mal gewaschen. 
Der frisch gestrichene Wachturm gefiel mir. Vielleicht wurde er auch zu Ehren Poroshenkos aufgefrischt, mag sein. Aber eigentlich finde ich es gut, wenn Soldaten Zeit haben sich um's Anstreichen der Wachtürme zu kümmern - das ist allemal besser als ihre eigentliche Aufgabe!

11. Oktober 2015

What a drag it is getting older.

Gestern abend in der Metro, Station Tulskaya, war es soweit: ein müder junger Mann stand von seinem Sitzplatz auf, um ihn mir anzubieten.
Fast noch schmerzhafter als die jähe Konfrontation mit dem von Anderen gefühlten eigenen Alter waren jedoch dann unsere nachträglichen Versuche, sein Verhalten als völlig selbstverständlich und aus der Situation heraus erklärbar zu begründen ("schwere Tasche").

Andererseits ist diese Höflichkeit in der Metro an einem Samstagabend an sich auch wieder wunderbar, Tasche und Alter hin oder her.

824: „Muß di ni argern, dann geit di dat goot“

Sinnspruch an der Wand des Glücklichen Matthias : Darunter schmeckte uns Pannfisch und Schlemmerteller (nein, nicht der vom Horst!).  Danach...