4. März 2014
3. März 2014
Von der wohltuenden Wirkung alter Briefumschläge
Wieviel Anspannung ist normal, was mag man noch vertragen, und wann hört den Spass auf?
In den letzten Wochen, eigentlich weiss ich nicht wann genau es angefangen hat, laufe ich auf Hochtouren. Wie ein Motor, bei dem jemand Vollgas gibt und die Kupplung noch ein wenig schleifen lässt. Ich komme voran, bei hohen Touren, aber bei weitem nicht so produktiv und schnell wie die Anspannung erwarten lassen würde. Die Tage, lange Tage, vergehen wie im Flug.
Zum Glück, und das meine ich jetzt fast wörtlich, habe ich meine Durchstreichliste auf Schmierpapier. Jeden Tag am späten Nachmittag, wenn ich schon alleine im Gebäude bin und sich vieles beruhigt, fische ich einen alten Briefumschlag aus dem Papierkorb und kritzele auf die Rückseite meine Vorsätze und Arbeiten für den nächsten Tag. Als erstes werden die noch-nicht-erledigten Aufgaben des zu Ende gehenden Tages auf den neuen Briefumschlag übertragen, und meist sind es erstaunlich wenig. Damit habe ich einen ersten Erfolg. Und richtig gut fühlt es sich an den täglichen Briefumschlag mit allen "erledigt" Vermerken wieder in den Papierkorb segeln zu lassen.
"Done! Over and out!"
Dann kommt der kreative Teil, die Aufgaben für den nächsten Tag zu finden, zu formulieren und auf dem neuen Couvert aufzulisten. Meine Erfahrung ist, dass genaue Formulierung hilft, und auch die Segmentierung grösserer Projekte in handhabbare Teilaufgaben. Also nicht "Büro aufräumen" planen, sondern "Kabelsalat weg" und "Produktausstellung auf dem Sideboard eindampfen". Ich halte die Texte meist schon kürzer, aber Verben kommen durchaus vor. Die Listung dauert nicht länger als 5 Minuten, gut investierte Zeit.
Am nächsten Tag dann liegt das vollgekritzelte Couvert dann da, und immer, wenn nichts Unvorhergesehenes hereinschneit, arbeite ich die Aufgaben ab. Darin lasse ich mich dann auch kaum unterbrechen, es gibt aber Ausnahmen. Der schönste, genussreichste Augenblick ist dann, wenn die Enter-Taste gedrückt ist und ich die Aufgabe durchstreichen kann. Das ist ganz wichtig: Erledigtes ausradieren aus den Aufgaben, streichen, vergessen!
Pflichten physisch löschen.
Schlaufe zum Anfang. Meine Listen werden jetzt immer länger, immer mehr ist zu übertragen, immer mehr kommt untertägig dazu und drängt sich auf die Tagesliste. Nicht-Notiertes wabert duch den Kopf und stört. Das fühlt sich nicht gut an.
Ich arbeite eigentlich gerne auf Termine zu, so dass mir die Eröffnung des Werks, der unmittelbar folgende Umzug nach Moskau, und die Aufgabe des "Lebensmittelpunktes" in E. im Sommer durchaus machbar erscheinen. Aber offensichtlich habe ich ein höheres Sicherheitsbedürfnis dabei, so dass ich gerne sehr frühzeitig Weichen stelle und Grundsätzliches kläre. Das Ding mit dem letzten Drücker liegt mir gar nicht. Ich leide unter diesen unterschiedlichen Arbeitsphilosophien. Meine Mitarbeiter aber auch, die nicht in der Lage und Willens sind bereits im Dezember über die Gäste der Eröffnungsparty nachzudenken. Wenn ich die Synchronisierung nicht schaffe, dann kommen nämlich auch die Aufgaben der Mitarbeiter auf meine Liste ("das sollte längst erledigt sein, muss ich denn alles selber machen?").
Spiralschlaufe zum Anfang.
16. Februar 2014
Schusselig werden.
Handschuhe vergessen.
Mütze vergessen.
Senatorkarte erst in letzter Sekunde nochmal geholt.
iPad vergessen.
Steuersoftware 2014 in Lodz gelassen.
Es fühlt sich jämmerlich an, wenn man den eigenen Abbau noch wahrnimmt.
;)
Mütze vergessen.
Senatorkarte erst in letzter Sekunde nochmal geholt.
iPad vergessen.
Steuersoftware 2014 in Lodz gelassen.
Es fühlt sich jämmerlich an, wenn man den eigenen Abbau noch wahrnimmt.
;)
10. Februar 2014
Abgenabelt
Ich habe fertig das Internet!
Anscheinend war meine Kündigung der beiden privaten IP-Adressen bei meinem ISP namens PAI sehr wirksam: seit heute mittag habe ich keine Verbindungen mehr! Zuerst dachte ich noch es läge an mir bzw meinen Verständnisschwierigkeiten für die Konfiguration des neuen Micro-Routers/USB-Ethernet-Adapters. Aber selbst ohne diesen, bei direktem Einklinken des RJ45 in die Ethernet-Buchse des Mac, passiert seit einigen Stunden gar nix mehr.
Vielleicht war die Skype-Konferenz mit Rhea heute früh mein letztes Internet-Erlebnis. Was meint ihr: soll sie Ende April nach Wroclaw/Poznan/Torun oder nach Gdansk/Elblag?
Anscheinend war meine Kündigung der beiden privaten IP-Adressen bei meinem ISP namens PAI sehr wirksam: seit heute mittag habe ich keine Verbindungen mehr! Zuerst dachte ich noch es läge an mir bzw meinen Verständnisschwierigkeiten für die Konfiguration des neuen Micro-Routers/USB-Ethernet-Adapters. Aber selbst ohne diesen, bei direktem Einklinken des RJ45 in die Ethernet-Buchse des Mac, passiert seit einigen Stunden gar nix mehr.
Vielleicht war die Skype-Konferenz mit Rhea heute früh mein letztes Internet-Erlebnis. Was meint ihr: soll sie Ende April nach Wroclaw/Poznan/Torun oder nach Gdansk/Elblag?
7. Februar 2014
Dazu fällt mir keine rechte Überschrift ein
Natürlich wissen wir, dass das Leben hart und manchmal sogar ungerecht ist. Wir alle haben da so unsere Erfahrungen gemacht, manche mehr/länger und andere weniger/kürzer. Und trotzdem ist es für Menschen, die Gerechtigkeit und Geschmack lieben, immer wieder schmerzhaft diese Härte erfahren zu müssen. Mir geht es in diesen Wochen so.
Ich werde in einigen Tagen ja aus dem spezifischen Business ausscheiden, in dem ich die letzten acht Jahre arbeiten durfte. Im Grossen und Ganzen hat es Spass gemacht, weil es kunden-nah war und bunt (nicht nur wegen der Farben!). Ich kenne immer noch viele Leute, habe speziell in den letzten drei Jahren hier in Polen vieles möglich gemacht und manches selber geschafft. Die Leute hier können stolz auf das sein, was sie geleistet haben, und ich bin stolz darauf sie dabei angeleitet zu haben.
Inzwischen wird mir jedoch berichtet, dass einzelne Manager in Meetings herumposaunen, dass sie ohne Probleme und in kürzester Zeit eine mir äquivalente Kompetenz lokal einstellen könnten, und zwar für weniger als 50'000 Euro (ich liege etwas darüber, also war es wohl eine Diskussion über Sparpotentiale!). Da schmerzt weniger die Zahl als solche als die Bewertung (m)einer Kompetenz durch einen Vorgesetzten vor Publikum. Zum Glück hatten sie noch so viel Respekt und machten solche Rechnungen nicht in meiner Gegenwart. Da werde ich dann aber fast fröhlich und sage mir, dass mein Weggang ja ganz leicht zu verkraften sein wird - also fällt er auch mir ganz leicht!
Ein anderes Beispiel für diese Härte sind die bereits jetzt anlaufenden Vorbereitungen, mich nach dem Weggang als Sündenbock für so manches schlechte Resultat zu benutzen. Hier werde ich schon direkt eingebunden, und darf (bzw. muss) Zahlen bestätigen von denen ich genau weiss, dass sie nur dem Zweck dienen später meine Nachfolger umso besser dastehen zu lassen. Mein Vorgesetzter kann immer über mich sagen: "Der war's, zum Glück ist er ja jetzt nicht mehr bei uns! Ich habe ihn gerade noch rechtzeitig entfernt." Sowas schenkt ihm Zeit in einer Firma, vielleicht wird er sogar für seine Entschlossenheit gelobt.
Es ist ein wenig wie Sterben. Aber wie ein Sterben, bei dem man den Erben zuhören kann.
Ich werde in einigen Tagen ja aus dem spezifischen Business ausscheiden, in dem ich die letzten acht Jahre arbeiten durfte. Im Grossen und Ganzen hat es Spass gemacht, weil es kunden-nah war und bunt (nicht nur wegen der Farben!). Ich kenne immer noch viele Leute, habe speziell in den letzten drei Jahren hier in Polen vieles möglich gemacht und manches selber geschafft. Die Leute hier können stolz auf das sein, was sie geleistet haben, und ich bin stolz darauf sie dabei angeleitet zu haben.
Inzwischen wird mir jedoch berichtet, dass einzelne Manager in Meetings herumposaunen, dass sie ohne Probleme und in kürzester Zeit eine mir äquivalente Kompetenz lokal einstellen könnten, und zwar für weniger als 50'000 Euro (ich liege etwas darüber, also war es wohl eine Diskussion über Sparpotentiale!). Da schmerzt weniger die Zahl als solche als die Bewertung (m)einer Kompetenz durch einen Vorgesetzten vor Publikum. Zum Glück hatten sie noch so viel Respekt und machten solche Rechnungen nicht in meiner Gegenwart. Da werde ich dann aber fast fröhlich und sage mir, dass mein Weggang ja ganz leicht zu verkraften sein wird - also fällt er auch mir ganz leicht!
Ein anderes Beispiel für diese Härte sind die bereits jetzt anlaufenden Vorbereitungen, mich nach dem Weggang als Sündenbock für so manches schlechte Resultat zu benutzen. Hier werde ich schon direkt eingebunden, und darf (bzw. muss) Zahlen bestätigen von denen ich genau weiss, dass sie nur dem Zweck dienen später meine Nachfolger umso besser dastehen zu lassen. Mein Vorgesetzter kann immer über mich sagen: "Der war's, zum Glück ist er ja jetzt nicht mehr bei uns! Ich habe ihn gerade noch rechtzeitig entfernt." Sowas schenkt ihm Zeit in einer Firma, vielleicht wird er sogar für seine Entschlossenheit gelobt.
Es ist ein wenig wie Sterben. Aber wie ein Sterben, bei dem man den Erben zuhören kann.
2. Februar 2014
Knapp vorbei ist auch daneben.
Heute wurde die Lösung des Neujahrsrätsels der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung veröffentlicht. Um es kurz zu machen: Wir haben nicht gewonnen, wir sind bei den rund 400 Einsendern (von 2255 insgesamt) mit einer falschen Lösung. Richtig wäre "D16" oder "D17" gewesen - wir hatten "D15" eingeschickt. Wir hatten 12 von 14 Fragen richtig beantwortet:
Aber nicht die beiden falschen Lösungen führten zum Misserfolg! Die Ursache der Abweichung um eine Koordinate (D15 statt D16) war nicht die falsche Anzahl der Haltestellen der Tramlinie T1 in Istanbul, oder die falsche Firma für Lichtwellenleiter (beide hatten nämlich sogar zufällig die gleiche Anzahl von Buchstaben und die gleiche Laufrichtung auf dem Lösungsparcour). Falsch war das allererste Feld, an dem das erste Wort begann! Dabei stand es in der Anleitung: "Das Feld, auf dem Sie zu Beginn stehen, wird dabei natürlich nicht mitgezählt". Und jetzt ratet mal, welcher Depp den ersten Buchstaben auf das erste Feld setzte? Das verrutschte dann alle 14 Lösungsworte konsistent um ein Feld nach links, und so war auch die einzig zählende Endkoordinate nicht in Spalte 16 sondern in 15.
Aber die Lösung hat trotzdem viel Spass gemacht!
Aber nicht die beiden falschen Lösungen führten zum Misserfolg! Die Ursache der Abweichung um eine Koordinate (D15 statt D16) war nicht die falsche Anzahl der Haltestellen der Tramlinie T1 in Istanbul, oder die falsche Firma für Lichtwellenleiter (beide hatten nämlich sogar zufällig die gleiche Anzahl von Buchstaben und die gleiche Laufrichtung auf dem Lösungsparcour). Falsch war das allererste Feld, an dem das erste Wort begann! Dabei stand es in der Anleitung: "Das Feld, auf dem Sie zu Beginn stehen, wird dabei natürlich nicht mitgezählt". Und jetzt ratet mal, welcher Depp den ersten Buchstaben auf das erste Feld setzte? Das verrutschte dann alle 14 Lösungsworte konsistent um ein Feld nach links, und so war auch die einzig zählende Endkoordinate nicht in Spalte 16 sondern in 15.
Aber die Lösung hat trotzdem viel Spass gemacht!
1. Februar 2014
Bolschoj? Kann ich selber!
Eben kam ich von einem gemütlichen Einkaufsbummel in der Manufaktura zurück. Es war nicht viel zu besorgen, nur etwas zum Essen für's Wochenende und etwas Obst. Es gab die leckeren Äpfel der Sorte Ligol, die ich so mag. Im Café Costa habe ich dann noch eine Pause gemacht, und spielte ein wenig mit dem iPhone, weil es dort ja einen Hotspot gibt (die Stadt richtet solche jetzt auch auf fünf öffentlichen Plätzen ein, gratis). Das Einloggen des iPhone ging wie immer elend lang, und ich konnte zusehen wie die Batterie in die Knie ging: startend mit 62% Ladung, war ich nach 20 Minuten Nachrichten lesen schon auf 51% abgefallen! Nicht ich, das iPhone natürlich!
Da kam auf einmal eine merkwürdige Meldung: "Verification failed". Hmmm?!? Googlen half: das ist die Meldung bei einem fehlerhaften Versuch sich in der iCloud für iMessage und FaceTime anzumelden. Aber ich wollte mich doch gar nicht anmelden, die beiden Dienste brauche ich nie! Also der Anleitung folgen und in den Einstellungen beides ausschalten. Und siehe da: ab dann flutschte der Datentransfer, Seiten bauten sich ruckzuck auf, keine Probleme! Ich weiss jetzt nicht wie sich die Batterie verhält (der Cappucchino war ausgetrunken und ich verliess den Hotspot), aber schlechter sollte die Performance nicht geworden sein!
Mein eigentlicher Auftrag in der Manufaktura heute war aber ein anderer. Beim Suchen nach einer kulturellen Anreicherung meines ansonsten einsamen Wochenendes stiess ich auf das Angebot des Clubs Wytwórnia für morgen 16:00 Uhr: eine Live-3D-Übertragung eines Ballett-Abends aus dem Bolschoj-Theater in Moskau! Mit Dolby-Surround und allen Schikanen. Ich fand die Idee einer (wahrscheinlich weltweiten) Live-Übertragung aus einem Theater neu und spannend, und wollte mir eine Karte besorgen. In letzter Minute jedoch scheute ich und verliess die Warteschlange im Vorverkauf. Ich kam nämlich zum Schluss, dass zwar die Idee toll ist und in der Realisierung wahrscheinlich einzigartig, dass ich aber andererseits rein gar nichts für klassischen Spitzentanz mit Tutu's empfinde! Dolby-Surround-Langeweile ist auch Langeweile!
Ich hatte eine bessere Idee: ich ging in das nächste Sportgeschäft und kaufte mir für fast das gleiche Geld eine lange "Under Armour"-ColdGear--Hightech-Unterhose (wärmend, zukunftsorientiert). Die ziehe ich jetzt an und kann dann das Ballett selber tanzen! Das ist auch dreidimensional, viel gesünder, und weder für mich noch für die Zuschauer so langweilig!
Da kam auf einmal eine merkwürdige Meldung: "Verification failed". Hmmm?!? Googlen half: das ist die Meldung bei einem fehlerhaften Versuch sich in der iCloud für iMessage und FaceTime anzumelden. Aber ich wollte mich doch gar nicht anmelden, die beiden Dienste brauche ich nie! Also der Anleitung folgen und in den Einstellungen beides ausschalten. Und siehe da: ab dann flutschte der Datentransfer, Seiten bauten sich ruckzuck auf, keine Probleme! Ich weiss jetzt nicht wie sich die Batterie verhält (der Cappucchino war ausgetrunken und ich verliess den Hotspot), aber schlechter sollte die Performance nicht geworden sein!
Mein eigentlicher Auftrag in der Manufaktura heute war aber ein anderer. Beim Suchen nach einer kulturellen Anreicherung meines ansonsten einsamen Wochenendes stiess ich auf das Angebot des Clubs Wytwórnia für morgen 16:00 Uhr: eine Live-3D-Übertragung eines Ballett-Abends aus dem Bolschoj-Theater in Moskau! Mit Dolby-Surround und allen Schikanen. Ich fand die Idee einer (wahrscheinlich weltweiten) Live-Übertragung aus einem Theater neu und spannend, und wollte mir eine Karte besorgen. In letzter Minute jedoch scheute ich und verliess die Warteschlange im Vorverkauf. Ich kam nämlich zum Schluss, dass zwar die Idee toll ist und in der Realisierung wahrscheinlich einzigartig, dass ich aber andererseits rein gar nichts für klassischen Spitzentanz mit Tutu's empfinde! Dolby-Surround-Langeweile ist auch Langeweile!
Ich hatte eine bessere Idee: ich ging in das nächste Sportgeschäft und kaufte mir für fast das gleiche Geld eine lange "Under Armour"-ColdGear--Hightech-Unterhose (wärmend, zukunftsorientiert). Die ziehe ich jetzt an und kann dann das Ballett selber tanzen! Das ist auch dreidimensional, viel gesünder, und weder für mich noch für die Zuschauer so langweilig!
![]() |
| Anmutig umschmeichelt das Beinkleid die federnden Fesseln. |
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Tja, es herbstelt in Moskau. Temperaturen am Tag von 12° bei Nieselregen sind schon recht frisch. Und dazu wird es auch schon spürbar früher...
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