12. Juli 2015

Kenozero-Bootstour

Eine angekündigte Bootstour anzutreten scheint leicht, kann aber im Detail problematisch werden. Wir schafften es auch die sechs-stündige Tour zu absolvieren, aber nur über den Umweg einiger Überraschungen. Unser Quartier und der Hafen sind an der Spitze der Halbinsel (34):




Nach dem Frühstück holte uns ein Fahrer ab und brachte uns flott über die schon bekannte Piste zum Kirchenkomplex in Filippovskaya, ca. 8 km im Norden. Der Bau stammt aus dem 17. Jahrhundert und war ein leicht befestigter Markt rund um ein Kaufmannshaus, mit 36 m hoher Kirche, Armenasyl und Schule. Heute sucht die Parkverwaltung verzweifelt einen Pächter für ein nahes Wohnhaus, aber niemand will in einer Gegend leben, für den Genuss deren Schönheit woanders Millionen bezahlt würden!


Wenig weiter steht am Strassenrand eine winzige Kapelle im Wald. 


Wir hatten in der Zwischenzeit Zuwachs einer (deutschsprachigen) Führerin bekommen, plus drei russische TouristenInnen, und wurden wechselsprachig (und damit wenig effizient) zum Quartier zurückgefahren. Dort übersetzten die drei TouristInnen (!) uns, dass in 10 Minuten das Schiff ablegen würde. Also sputeten wir uns zum nahen Hafen, um festzustellen, dass noch nicht einmal ein Kapitän zu sehen war geschweige denn - wie hier allgemein üblich - zumindest schon mal der Motor läuft. Da fuhr kein Schiff, und schon gar nicht in "10 Minuten"! Also hatten wir Pause bis zum Mittagessen, 1 Stunde. Kein Problem!

Aber um 13:00 Uhr, da ging es dann los! Das Schiff war gut gefüllt mit etwa 25 Gästen, die Hälfte von einem Öl-Malkurs hier im Dorf. Wir kannten uns schon von den Mahlzeiten, und winkten einander zu. Die Tour, die wir in den nächsten 6 Stunden gemeinsam machten, seht ihr oben auf der Karte. Von Veroshinino (34) ging es durch die Passage bei Chyolma in den Nebensee Svinoye, wo wir im Dorf Rishkovo (35) das erste Mal landeten. "Landen" war bei dem Katamaranboot übrigens recht robust: einfach mit Schwung aufs flache Ufer fahren! Ausstieg ist vorne!


Rishkovo hat 6 bewohnte Häuser und 4 Kinder. Und eine schmucke Kapelle mit schöner Decke. Wir hatten übrigens noch Glück: eine der jungen Malerinnen namens Marina war von Beruf Übersetzerin und vermittelte Ulrike und Renja simultan die Geschichten der Führerin. Marina hatte sich schon im Boot spontan angeboten, nett. 


Der frühere Coop-Laden, oben unterm Dach hatte der Parteisekretär der KPdSU sein Büro:


Die Schule, und eines der Wohnhäuser:



Nach Rishkovo ging es in das Dorf (auch 35), in dem die Grossmutter (87, diesmal Jahre) der Führerin lebt, und wir sahen die dortige Kirche. 


Blick vom Turm:


Auf der Wiese wuchs ganz viel Johanniskraut, und Ulrike wurde von den anderen Damen nicht nur überschüttet mit gepflückten Sträussen, sondern auch noch mit Hinweisen zur Zubereitung und dem russischen Namen des Krauts ("Зверобóй", lat. Hypericum). Den Tee trinke ich gerade zum Schreiben, vielleicht etwas bitter aber gut. Es stellte sich dort auch heraus, dass einer der Maler fliessend Deutsch sprach! Kaum realisiert, ging ich in Gedanken alle möglicherweise unbedachten Äusserungen der letzten drei Stunden durch ...
Das Schiff fuhr dann eine etwas längere Strecke nach Ust-Pocha (38), in dem es neben einem Café mit Bastelkursen, einer Kirche (!) noch sehr zutrauliche Schafe und Kälber und einen bösartigen Stier gab. 
Der Kulturclub:


Am Kircheneingang, mit Marina im Malerkittel:



Traktorbelagerung: 


Ein neuer "Haustier!"-Kandidat:


Noch einer:


Filzen von einem Valeniki-Stiefelchen und Körbchenflechten mit Birkenrinde:



Treibholz am See:


Das Abendessen war wie gewohnt, nur dass uns der deutschsprachige Russe mit einem zünftigen "Mahlzeit!" grüsste. 

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