20. Januar 2014

Moskau, Bürotag


Heute war Bürotag angesagt. Am Vormittag war routinemässig das regionale Management zusammengerufen, und da bin ich einfach (heute im guten Tuch, das erste Mal seit langem wieder mit Krawatte!) zusammen mit Joachim hineinspaziert. Einige der Kollegen kannten mich, hielten es aber anfangs wohl für so einen Freundschaftsbesuch eines befreundeten Nachbarstaates, wie sie es von früher kannten. Joachim eröffnete die Sitzung mit einer trockenen Ankündigung, und dann stellte ich mich und meine Perspektive vor. Sie rollten die Augen, und gingen zur Tagesordnung über. In der ersten Pause wurde dann telephoniert (wie immer, eigentlich), und die für mich und die Familie so spannende Angelegenheit war angekündigt.
Mir wurde noch das Büro gezeigt, und im Vestibül gab es eine Pirogge mit Capuccino zum Mittag.


Der aktuelle Wetterbericht der Flughäfen von heute früh zeigt die Temperaturdifferenzen. Während es in Brüssel mit 5 Grad fast schon frühlingshaft warm war, fiel in Moskau bei klarem Himmel das Thermometer doch auf satte minus 20 Grad!


Zum Dinner trafen wir uns alle wieder in einem schicken Restaurant der Spitzenklasse, dem недальний восток im Tverskoy Boulevard 15. Piekfein, ist so eine Cross-over Küche zwischen Russisch/Sibirischer Küche mit der japanischen Kultur. Es gab auch so Sachen wie Borscht mit Krabben. Renja entschied sich für einen Hummer, gegrillt, der sehr saftig aussah.


Ich hatte als Vorspeise sibirischen weissen Fisch (gefrostet gehobelt, mit Meersalz, Pfeffer und Sojasauce), und als Hauptgang Riesengarnelen aus dem Wok.


Die Toilette war sehr geschmackvoll eingerichtet.


Am prachtvoll illuminierten Tverskoy Boulevard liegt auch das alte Puschkin-Haus mit dem tollen Restaurant in der alten Bibliothek. Den Angaben der Gastgeber zufolge kostet das Abendessen dort pro Person sicher umgerechnet 200 Euro. Heute waren es "nur" 100 Euro, ohne Apéro oder Wein.


Wir fuhren dann wie die alten Hasen mit der Metro zum Hotel, null Problemo!

19. Januar 2014

Moskau touristisch
































Der Morgen brach mit knackig kaltem Wetter und Glockengeläut vom Kloster an. Ortszeit war ja schon Acht Uhr, aber die Zeitverschiebung von "nur" drei Stunden war spürbar. Das reichliche Pizza-Essen und das merkwürdig geheizte Zimmer (und für Ulrike wild wuchernde Sprungfedern in der Matratze!) hatten uns nicht die beste Nacht beschert. Aber wir waren alle drei soweit fit, dass wir uns um halb Zehn im Frühstücksraum treffen konnten. Wir waren dort so gut wie allein. Entweder ist frühstücken nicht "in", oder es mangelt an Gästen? Wir assen à la carte, und Ulrike nahm Pfannkuchen, Renja Blini, und ich Buchweizen mit Pilzen und Zwiebeln. Naja, der Koch hatte in jedem Fall eine zu grosse Kelle im Fett gehabt! Gut war's schon, aber wieder mächtig. Schön schaurig war der Herrgottswinkel mit einem (wahrscheinlich nicht echten) Fabergere- Ei. 

Um Zehn trafen wir Karin und Joachim in der Lobby und knirschten durch den Schnee in eine nahegelegene Markthalle mit frischen Früchten aus Azerbaidshan und Uzbekistan. Traumhaft! So schöne Granatäpfel und Kaki habe ich noch nicht gesehen, wirklich. Leider auch recht teuer: eine Sharon kostet umgerechnet 4 Euro!

Dann ging es mit dem Auto Richtung "deutsches Eck" im Südwesten. Die Botschaft (mit Arzt und Swimming Pool), die Deutsche Schule und der benachbarte abgezäunte deutsche Compound, und das Konsulat wurden besucht, liegen auch recht nahe beieinander. Die Schule machte von aussen einen sehr guten Eindruck, der Compound mit seinem ach-so-typischen deutschen Fachwerkhaus inmitten der Wohnsilos ist da schwieriger zu verkraften.

Die Sperlingsberge standen auf dem Programm, mit toller Sicht über die Stadt und der imposanten Lomonossow-Universität im Rücken, und der Prominenten-Friedhof beim Neun-Jungfrauen-Kloster (Grab von Clown Popow und Chrushtshew). Es war eiskalt, und so freuten wir uns über eine Pause im Supermarkt Auchon, Blasenpflaster, Mineralwasser, Autoscheibenreiniger und Obsttorte kaufen. Und dann machten wir lange Pause in der Wohnung der beiden Gastgeber, die im 10. Stock gleich neben der Frunskaya-Militärakademie liegt. Tolle Aussicht von da oben, aber diese Höhe der Gebäude ist fast Standard. 

Wir liessen das Auto stehen, und fuhren mit der Metro (Wagon 1243!) zur Christ The Savior Kirche, fuhren von dort eine Station weiter zum Roten Platz, stellten uns alle auf den Nullpunkt aller Kilometerzählungen nach Moskau und vor die Basilius-Kathedrale, besichtigten das Kaufhaus Gum (wie Harrods, oder Macy's), und stiegen wieder in die Metro, aber wieder nur für zwei Stationen. Zur Metro noch ein andermal mehr, hier nur soviel, dass sie wirklich sehr schön ist, sehr sauber und sehr laut, und eine unbegrenzte Fahrt nur 25 Rubel kostet, das sind 55 Eurocent. 

Nach einem langen Fussmarsch kamen wir am Hotel Ukraina (Radisson Royal, mit Rolls-Royce vor dem Eingang) an und gingen zum Moskwa-Ufer. Dort lagen vier sehr elegante Radisson-Eisbrecher bereit, die Gäste für ein Dinner 2,5 Stunden auf der Moskwa durch die Stadt fuhren. Es war toll, und das mahlende Geräusch der Eisschollen am Bug war der richtige akustische Hintergrund. 

Mit der Metro fuhren wir wieder zum Hotel, diesmal bereits allein. Morgen gehe ich mit Joachim ins Büro zur Management-Sitzung, Ulrike und Renja schlafen aus und schonen ihre Beinchen (kaufen aber auch eine Prepaid-Karte und gehen zu макдоналдз essen.


Irgendwas klappt nicht mit dem Texten im Blog

Nach gestern noch vergeblichen Bemühungen überhaupt in's Internet zu kommen, hat das heute wenigstens geklappt. Wir sind hier ja im Hotel Danilovskaya, das ist das Hotel des Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche (vergleichbar dem Papst der katholischen Kirche) direkt neben seinem Amtssitz (Vatikan!), also im "Petersplatz Hotel"!
Aber das Internet im Raum funktionierte nicht, im Unterschied zu den Glocken der Amtssitzkirche. Grummel! Augenreib!
Den letzten Blog konnte ich zwar über GSM hochladen und habe damit mein gesamtes Roaming-Kontingent verbraucht. Den Blog bearbeiten, d.h. mit Text versehen, ist aber nicht möglich. Also hier ein kurzer Text, bis das alles besser wird.
Der Flug mit Lufthansa war ruhig, die beiden Mädels sassen vorne in der Business Class (Verbrauch der letzten beiden Vouchers). Ich wachte kurz vor Moskau auf und sah unten in der Sonne fast die ganze Stadt liegen. Wenn ihr denkt, dass die weissen Wolken lustige Schäfchenwolken sind am heiteren Winterhimmel, dann täuscht das etwas: es sind ausschliesslich Dampffahnen von Kraftwerken! Diese Info ist wichtig für die Wahl des zukünftigen Wohnquartiers! Aber man sah auch den Kreml und die Moskwa.
Wir wurden ganz lieb von meinem Vorgänger Joachim und seiner Frau Karin am Flughafen abgeholt und in die Stadt zum Hotel gefahren. Der Treffpunkt nach dem Beziehen der Zimmer war die Bar, ein leeres Kellerloch, schwierig zu finden. Der Patriarch und seine Gäste scheinen nicht so die Barhocker zu sein!
Wir machten dann auf dem Weg zum Pizza-Essen bei "Da Cicco" bzw. Да Чикко eine kleine Stadtrundfahrt und freuten uns an den Lichtern und den grandiosen Ausblicken. Der Abschluss war dann ein kleiner Abstecher zum Roten Platz und der Basilius-Kathedrale.

Und dann schaltete sich mein iPhone aus, kein Strom mehr. Nach nur 14 Stunden Betrieb nach Vollladung! Lächerlich!

18. Januar 2014

Moskau, Tag 1

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Nun werden ja wirklich alle mitbekommen haben, dass hier etwas Merkwürdiges vorging, Wechsel in der Luft lagen. Die Synthese der Ehlhaltener und der Lodzer Ruttes in Moskau steht an, und heute war der erste Tag unserer Schnupperreise.

16. Januar 2014

Google kennt mich!

Eben habe ich gestaunt. Als ich bei Google eingab "blogspot", kam mein Blog mit dem Eintrag "miserabile" an siebter (!) Stelle von 600 Millionen Treffern.
Könnt ihr das bitte mal überprüfen und die Suche nach "blogspot" nachstellen? Es könnte ja sein, dass Google mir nur einen Gefallen tut und meinen Blog da nach vorne schiebt. Zutrauen würde ich ihnen das, sich über meine Narzissmus-Schiene so infam anzubiedern!

Wahrscheinlich ohne Zusammenhang zu Obigem möchte ich noch das Phasendiagramm von Wasser hier posten. Es gibt 16 verschiedene Eis-Sorten (nein, Quatsch, natürlich hat Langnese mehr!). Wassereis. Normalerweise begegnet uns ja nur das hexagonale Eis Ih, bei 1 MPa und bis zu 273 K. Aber wenn wir den Druck erhöhen auf sagen wir 1 Tera-Pascal, dann wird Wasser elektrisch leitfähig und ist weder fest noch flüssig!


Endlich Kontakt zu den Nachbarn.

Ich lebe in Wohnung 47 im Block 55A. Soviel zu meiner Identität hier. Kein Namensschild an Klingel, Briefkasten oder Tür. Wohnung 47 - ohne diese Angabe kommen keine Briefe an, schon gar nicht Besucher.
Es gibt so gut wie keinen Kontakt mit den Nachbarn, seit drei Jahren nicht. Zehn Familien (oder Singles? Zombies? Aliens?) sind es in Block 55A. Ich weiss, dass ein älterer Herr einen neugierig schnüffelnden Dackel hat (zumindest drei mal dabei hatte). Und dass die Familie in der Wohnung 46 schräg unter mir (die mit der blond gefärbten Mutter) endlich, endlich die Schreikrämpfe ihres wohl erziehungstechnisch missratenen Bengels in den Griff gekriegt hat. Und unter mir wohnt schwer verbarrikadiert eine ältere Dame, aber manchmal kommen auch junge Leute aus der Tür. Möglicherweise bin ich ihnen ein Rätsel der glichen Dimension, wenn sie sich denn überhaupt darum scheren!

Aber gestern früh wurde alles anders. Ich wurde angesprochen.

Dazu muss man wissen, dass mein Auto immer vor der gemieteten Garage steht. Es passt nicht rein, ist zu breit. Als hat die Firma eine gut gelegene Garage gemietet und jetzt darf das Auto des Chefs immer davor parken. Die Nachbarn haben kleinere Autos, die passen in ihre Garagen. Gestern also kam ich morgens zu meinem eingefrosteten* Auto, als aus der Nachbargarage gerade der Kleinwagen hervorschoss. Die Tür ging auf, und eine (schonmal kurz gegrüsste) junge Frau und Mutter stieg aus. Sie sah mich da kommen, und sprach mich an mit einem "Do you speak English?" Und es ergab sich ein Gespräch, für das Temperaturniveau und den Ort sogar recht lange. Sie hätte sich gefragt, wie ich es denn wohl in diesem Block aushalte, sie fände es ganz schrecklich hier, aber hätte nun mal 2007 das Apartment gekauft und sei aus der Stadtmitte Lodz' in diese Wüste herausgezogen, und so weiter. Ich erwiderte, dass die Lage für mich ideal sei, usw. So erfuhr ich ihren Beruf (Rechtsanwalt), ihre Arbeitgeber und -orte, und ihren Arbeitsweg. Dann entschuldigte sie sich für das schwache Englisch, stieg in das Auto und fuhr winkend davon.

Mich hat das richtig gefreut, denn zwei Jahre früher hätte ich sie und ihre Familie bestimmt mal eingeladen.  Ob sie wohl gekommen wären?

12. Januar 2014

Russisch Crash Course (1)

Gestern war der erste (von vier) ganztägigen Russisch-Kursen hier in Lodz bei der Berlitz-Schule. Erst heute - 22 Stunden später - bin ich wieder so weit wiederhergestellt, dass ich darüber reden (bzw. schreiben) kann.

Ira, die Lehrerin, heisst eigentlich Irena und wurde mir von Berlitz als "energisch" angekündigt. Sie stellte sich dann heraus als sehr lebhaft, mehr hyperaktiv als streng. Und sie gab sich ja solch' eine Mühe! Wo überall sie die verschiedenfarbigen Bleistifte ("караидаш", ausgesprochen "Karandasch"Ehrlich!), die Kugelschreiber ручка und die Filzstifte фломастер alles versteckte, um mir Farben und Ortsangaben nahezubringen ... Es war ja auch nicht leicht für sie, von 08:45 bis 16:00 Uhr (nur mit zwei kleinen Pausen, denn das externe Mittagessen war ja Teil des Crash Course) zu unterrichten!

Die bisher erworbenen Polnisch-Kenntnisse halfen mir einerseits sehr. Viele Wörter und die Grammatik sind gleich oder sehr ähnlich, die Aussprache ist verwandt. Lokativ? Kein Problem! Andererseits ist die sprachliche Verwandtschaft auch wieder hinderlich, denn wenn das Wörtchen "aber" im Polnischen "ale" heisst, im Russischen jedoch nur "a" - nun, dann sagte ich eben erstmal "ale"! Und nicht nur einmal, immer! Ich glaube, ich habe noch nie so viel Polnisch gesprochen wie gestern! Zufällig traf ich gestern in der Schule auch meine frühere Lehrerin Kasia ("Moskwa? Moja matka!"), und wir parlierten da ganz locker, viel entspannter als im Unterricht damals.

Ira killte mich, als sie anfing an der Tafel in Schreibschrift zu schreiben. Natürlich ist auch in der deutschen Sprache die Schreibschrift ein völlig anderes graphisches System, aber gestern stand ich dann auf dem Schlauch. Das "d" wird im kyrillischen Alphabet zu einem "д", und geschrieben wird es wie in der Sütterlinschrift das "z", also mit Unterlänge! Keuch, prust!

So um drei Uhr hatten Ira und ich vorübergehend ein Tief (das kann auch am Mittagessen gelegen haben). Beim Abschluss um Vier fühlte ich mich dann wieder fit, allerdings wusste ich auch wie sich "brainwashing" anfühlt.

824: „Muß di ni argern, dann geit di dat goot“

Sinnspruch an der Wand des Glücklichen Matthias : Darunter schmeckte uns Pannfisch und Schlemmerteller (nein, nicht der vom Horst!).  Danach...